Christoph Balzar
MUSEUMSLABOR DAHLEM
@ HOMEBASE PROJECT BERLIN

21. September – 12. Oktober 2010
DI–So 12–20 Uhr und nach Vereinbarung
www.homebaseberlin.com
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Thulestr. 54
13189 Berlin – Pankow
(link to GOOGLE maps)


Liebe Freunde und Bekannte,

In der Debatte um das Humboldt-Forum wurde bislang meist über den Symbolcharakter der Berliner Schlossfassade diskutiert, weniger jedoch über die konzeptuellen Herausforderungen, denen sich ein ethnologisches Museum heute stellen muss. Es sind vor allem die in kolonialen Zeiten gewaltsam akquirierten Sammlungsbestände des preußischen Kulturbesitzes, welche das Bauvorhaben dieses Universalmuseums schon im Vorfeld zu belasten schienen. Welchen Themen wird man sich beim Transfer der Kulturgüter vom Ethnologischen Museum Dahlem ins Humboldt-Forum demnach stellen müssen?

Im Rahmen des diesjährigen HOMEBASE PROJECT’s, welches zum ersten Mal von New York nach Berlin kommt, installiere ich ab dem 21. September 2010 in einem ehemaligen SED-Gebäude in Pankow zu dieser Problematik das Museumslabor Dahlem. Darin präsentiere ich eine zweijährige Recherche über sakrale Artefakte zentralaustralischer Aborigines im hiesigen Ethnologischen Museum.

Der Schwerpunkt meiner Nachforschungen liegt dabei auf religiösen Bildverboten des Stammes der Aranda, dem nur für die Augen initiierter Stammesmitglieder bestimmten “secret sacred business”, wozu auch einige der in Dahlem gezeigten Artefakte gehören. Deren öffentliche Präsentation ist insofern problematisch, als dass sie dem Kern dieser auf Geheimnissen gebauten Kultur fundamental widerspricht.

Neben einer künstlerischen Recherche über diese Kultur versteht sich das Museumslabor Dahlem als Forum zu Themen der Präsentation, Repräsentation und Repatriation. Es stellt sich in Zeiten vermehrter Rückgabeforderungen durch traditionelle Eigentümer die Frage, welche Chancen gerade für ethnologische und anthropologische Museen im Schulterschluss mit Künstlerinnen und Künstlern liegen, um Ausstellungsstrategiern zu entwickeln, die allen Seiten gerecht werden. Ich möchte Sie herzlich dazu einladen, sich an dieser Diskussion zu beteiligen. Ihre Wünsche und Ideen für das Ethnologische Museum Dahlem und Ihre Anregungen zum Humboldt-Forum können jederzeit vor Ort audio-visuell oder als Text aufgezeichnet und den bisherigen Ergebnissen angefügt werden. Ich freue mich auf Ihren Besuch und Ihr fachliches Feedback.

Herzliche Grüße,
Christoph Balzar


Christoph Balzar hat 2005 in visueller Kommunikation über die Kulturlandschaft Australiens diplomiert. Sein weiteres Studium der Aboriginal Culture in Sydney bildete die Grundlage für seine Auseinandersetzung mit Themen des Eurozentrismus, des Postkolonialismus und der Critical Whiteness. Derzeit arbeitet er am Institut für Kunst im Kontext in Berlin an der Schnittstelle zwischen zeitgenössischer Kunst und Ethnologie.